7. Tag der Superlativen (höchster, einziger und längste)

Um 07 Uhr weckte uns unser innerer Wecker. Es ist kalt im Womo. Wir schmeißen die Heizung an. Heute gibt’s nur ein schnelles Frühstück. Denn pünktlich um 09 Uhr wollen wir im Geysir Erlebniscenter sein. Wir sind sogar die ersten und daher die ganze Zeit (fast) allein. Echt informativ und schön gemacht. Ältere Kinder haben da bestimmt auch ihren Spaß. Wir fahren mit einem Aufzug „4000 Meter“ unter die Erde, schlängeln uns als CO2 Moleküle durch das Gestein, lassen Bälle im Luftkanal schweben und CO2 Gase aufsteigen. Am Ende wissen wir wie der Kaltwassergeysir funktioniert. Kurz erklärt: Gesteine zerschmelzen, Magma und CO2 entstehen. Durch enormen Druck verbindet sich dieses in hoher Konzentration mit Wasser. Das Gemisch will raus. Das Bohrloch bietet sich an. Es kommt zur Explosion des Wassers bis in 60 Meter Höhe.
Genug der Theorie jetzt geht’s aufs Schiff um den größten Kaltwassergeysir weltweit zu bestaunen.
Kaum im Außenbereich platz genommen, fängt es auch schon an zu nieseln. Wir haben uns jedoch klug unter ein Vordach gesetzt und ernten Platzneid. Ein Vater mit kleinem Sohn setzt sich neben uns. Ganz aufgeregt betrachtet der Kleine seine Umgebung. Ob Güterzug oder entgegen kommende Schiffe, alles wird kommentiert. Warum ist das Schiff so schnell? Wir geben die Antwort: „Weil es blau ist“. Für den kleinen eine logische Begründung. Jedes blaue Schiff ist für ihn nun ein schnelles Schiff. Nach kurzweiliger Fahrt kommen wir auch schon bald am Geysir an. Alles gut abgestimmt, so dass wir nicht lange warten müssen, bis die 8 m3 Wasser in 60 Meter Höhe katapultiert werden. Wahnsinn was die Natur für Kräfte aufbaut. Und wie pünktlich der Geysir ist. Nach 6 Minuten ist der Spuk vorbei und übrig bleibt ein kleines Loch. Zurück fahren wir bei herrlichem Sonnenschein wieder mit dem Schiff. Im Camper angekommen fehlt unser treuer Begleiter, der Regenschirm. Also Sprint meines Mannes auf das Schiff, Schirm sichern, abspringen und zurück zum Camper. Mission Schirm Rettung erfolgreich beendet!

Am Abend des Vortages erreichte uns noch ein Tipp, den wir nicht unbesucht lassen wollten. Leider sind wir tags zuvor bereits vorbei gefahren. Und so fahren wir erneut durch die Vulkaneifel über abenteuerliche Ministraßen und überqueren die Mosel in den Hunnsrück (unseren besonderen Dank gilt der Navifrau für diese abenteuerliche Route).

Mitten im Hunnsrück stehen plötzlich zwei Feuerwehrmänner auf der Straße. Heute findet ein großer Erntedankumzug statt. Durchlass erst wieder in 1,5 Stunden. Aber wir sollten uns diesen doch einfach anschauen. Einzigartig in Deutschland. In Ermangelung einer Alternative stehen wir kurz darauf an einer Straße und betrachten zig alte geschmückte Traktoren, Pferdekutschen, alte landwirtschaftliche Geräte, historisch kostümierte Menschen sowie drei Blaskapellen.

Als der Umzug endlich vorbei ist, sitzen wir wieder in unserem orangen Blitz um den Parkplatz der längsten Hängebrücke Deutschlands schnell zu erreichen. 2,5 km Fußweg sind von dort noch zurück zu legen, bis man endlich da ist. Beeindruckende 350 Meter lang und 100 Meter hoch spannt sich diese über eine Schlucht. Wir können den Blick kaum fern halten. Also rauf und rüber. Beim begehen macht sich meine Höhenangst doch etwas bemerkbar. Je mittiger, desto schwankender ist der Spaß, den wir uns mit vielen Menschen teilen. „Für wie viele Personen ist diese Brücke eigentlich ausgerichtet?“ Frage ich ängstlich und Kralle mich an den Seiten fest. Leider erhalte ich keine Antwort. In der Mitte ein fantastischer Blick ins grün, der sogar kurz für die Angstattacke entschädigt. Soweit das Auge reicht nur Bäume. Mit schnellem Schritt schwanke ich über die Brücke zurück ans „Festland“. Mein Herz schlägt schnell. Adrenalin pur!

Es ist schon etwas späht geworden. Unser ursprüngliche Weiterreise an den Edersee wollten wir nicht mehr komplett antreten. Etwa in der Hälfte suchten wir uns an der Lahn einen Campingplatz aus. 19:05 Uhr erreichten wir diesen. Doch ab 19 Uhr niemand mehr da. Merke: Stellplatz vor 18 Uhr aufsuchen. Einen Camperstellplatz, allerdings autark, fanden wir dann trotzdem.

Ein Tag der Superlativen neigte sich dem Ende entgegen. Nur noch Kochen, essen, abwaschen und ab ins Bett.

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