(Fast) Eine Nacht im Baumzelt

Unwetterwarnung des deutschen Wetterdienstes: „ Starkregen, Hagel und Gewitter für den Kreis Breisgau-Hochschwarzwald und Freiburg.“ Na toll…..wir sind gerade unterwegs zum campen am Schluchsee als uns diese Nachricht erreicht. Seit März steht der Termin fest. Verschieben…unmöglich. Wir haben eine Nacht im Baumzelt gebucht. Ein Zelt, in ca 2 Meter Höhe (am höchsten Punkt) am Baum befestigt. Freischwebend. In meinen Vorstellungen: Eine laue Sommernacht, mit Blick auf Baumwipfel und Sterne satt. Vorher mit grillen am Lagerfeuer und Baden am See. Leider ist die Realität oft anders. Nach Wochen von lauen Sommernächten steht uns eine Gewitternacht bevor.
Bei Ankunft im Camp, sieht alles ganz gut aus. Teilweise schiebt sich die Sonne durch die Wolken und wir sind zuversichtlich. Gewitter sind ja sehr lokal. Bestimmt trifft es uns nicht. Also stürmen wir unser Baumzelt und sind begeistert. Der Campingplatz ist so süß angelegt. Mitten in einem kleinen Wäldchen sind Baumzelte, Clampingzelte mit Terrasse oder sogar eine kleine Gondel über Trampelpfade verbunden. Es gibt eine gemeinsame Grillstelle. Jede Schlafmöglichkeit hat ihre eigene Sitzgelegenheit. Bei uns direkt unterm Zelt. Wie praktisch! Um ins Zelt zu kommen, muss man klettern. Zuerst auf eine Tischtruhe und dann wie am Beckenrand eines Schwimmbades rausstämmen. Die Plane unseres Zeltes schlagen wir weit zurück. Der erhoffte Blick in die Baumwipfel stellt sich ein. Ein winziges Schaukelgefühl, wie in einer Hängematte. Sehr bequem, für ein Zelt. Allerdings ist jede Bewegung des anderen spürbar. Wir genießen den Augenblick.
Nach längerer Pause geht’s weiter an den See. Durch den nebenan liegende Campingplatz. Dieser ist das krasse Gegenteil zu unseren kleinen Oasen. Ein Zelt, Campingbus, Wohnwagen am anderen. Mit oder ohne Gartenzaun. Wirklich alle Klischees werden erfüllt. Vom Rentner bis zur Partyfussballmanschaft. Letztere ist leider bis in unsere Oase zu hören. Auf dem Campingplatz dürfen wir die sanitären Anlagen benutzen. Übrigens sehr sauber und neu. Der Seeweg ist nicht weit entfernt und schnell sind wir am Ufer des wunderschönen Schluchsee angelangt. Baden gar kein Problem. Das Wasser ist überraschend warm für so einen großen und vor allem tiefen See. Nur die spitzen Steine sind ein Manko. Badeschuhe unbedingt empfehlenswert.
Wir entscheiden uns zu grillen. Unser Grillplatz ist mit coolen Palettenbänken ausgestattet. Holz kann man kaufen, im Wald sammeln oder mitbringen. Unsere Mahlzeit ist lecker und noch immer kein Regen in Sicht. Was hat der Wetterdienst den nur? Im Anschluss ein Strandspaziergang. Urlaub vor der Haustür! Ich fühle mich wie in Italien. Dolce Vita. Kaum zurück am Zelt, die ersten Tropfen. Kein Problem für uns. Wir genießen gemütlich unter unserem Zelt ein Glas Rotwein und eine Partie „die Siedler von Catan“.
Der Regen wird heftiger, es wird kalt. Der Weg zum Zähneputzen ist plötzlich doch lang und vor allem nass…Zurück im Zelt kriechen wir in unsere warmen Schlafsäcke. Leider ist das Kissen schon klamm und auch so wird es immer ungemütlicher. Und als wir uns zum schlafen hinlegen wollen fängt das Gewitter an. Blitz und Donner wechseln sich ab. Ich versuche diese eine zeit lang zu ignorieren. Schließlich sind die Nachbarn auch alle noch im Zelt. Der Regen wird immer heftiger. Das Gewitter rückt näher. Ich bin ein Angsthase. Bilder eines Blitzeinschlages ziehen durch meinen Kopf. Ich will nicht gegrillt werden. Mensch im Zeltwickel am Spieß ist eher eine Traumvorstellung für Kanibalen. So will ich nicht enden. Ich wecke meinen Mann. „Ich will nach Hause!“ Also packen wir hektisch zusammen und rennen im Gewitter bei Stockdunkelheit durch den Wald zu unserem Auto. Mit der Konus Gästekarte, die wir im Camp bekommen haben, fahren wir am nächsten Morgen mit dem Zug zurück. Diesmal an den Titisee.
Mit Unterbrechung trotzdem ein wunderschönes Wochenende.

Schwarzwaldcamp

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